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5. Mai 2022

DU. bist Tourismus! In Blaubeuren fand der zweite Experten-Talk des Wirtschaftsministeriums im Rahmen der Tourismusakzeptanz-Initiative statt. Diskutiert wurde das Thema „Schafft Tourismus kulturellen Austausch?“

5. Mai 2022
Pressemeldung

DU. bist Tourismus! In Friedrichshafen fand der erste Experten-Talk des Wirtschaftsministeriums im Rahmen der Tourismusakzeptanz-Initiative statt. Diskutiert wurde das Thema „Overtourism: Wie viel Tourismus ist genug?“

München, 4. Mai 2022 (w&p) – Unter dem Titel „Overtourism: Wie viel Tourismus ist genug?“ lud das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg zu einer Talkrunde auf der MS Lindau in Friedrichshafen. Die Veranstaltung war Start einer sechsteiligen Reihe von Experten-Talks im Rahmen der Initiative zur Steigerung der Tourismusakzeptanz des Wirtschaftsministeriums, die sich in unterschiedlichen Regionen Baden-Württembergs mit dem Thema auseinandersetzen, die Herausforderungen im touristischen Sektor fachlich diskutieren und angehen. Unter dem Leitspruch „DU. bist Tourismus“ soll die Bevölkerung umfassend und transparent über den Mehrwert der Freizeitbranche informiert werden.

Neben Staatssekretär Dr. Patrick Rapp MdL unterhielten sich renommierte Branchenköpfe und Tourismus-Profis über die Situation am Bodensee und diskutierten über Erfahrungen, Lösungsansätze und Ideen für die Zukunft, darunter Bettina Gräfin Bernadotte (Geschäftsführerin der Mainau GmbH), Andreas Braun (Geschäftsführer Tourismus Marketing GmbH), Frank Weber (Geschäftsführer Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH), Stefan Friedrich (Bürgermeister der Gemeinde Allensbach) und Lars Bengsch (Geschäftsführer dwif Consulting GmbH).

Konsens herrschte bei allen Beteiligten darüber, dass man am Bodensee nicht von Overtourism sprechen könne. So negativ wolle man das nicht sehen, auch wenn die Spitzentage an den touristisch besonders bekannten Zielen grenzwertig seien. Touristen, „sind wir alle und Touristen sind willkommen“. Daher müssten Lösungen gefunden werden, den Tourismus zu steuern und den Anwohnerinnen und Anwohner zu verdeutlichen, inwiefern die Regionen vom Tourismus profitiere.

Staatssekretär Dr. Rapp begann die einführenden Worte: „Mit unserer heutigen Auftaktveranstaltung möchten wir uns dem Thema nähern und es verantwortungsvoll angehen. Es geht uns darum, Konflikte zu vermeiden, Transparenz zu schaffen und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Der Tourismus nimmt eine Vorreiterrolle für nachhaltiges Verhalten ein und wird wirtschaftlich immer schwergewichtiger: Wir nehmen mit dem Tourismus fast 2,4 Milliarden Euro Steuereinnahmen ein.“ Des Weiteren sagte er: „Wir befinden uns nach einer zweijährigen Pandemiephase in einer Neustart Situation in der Branche und wollen einen positiven Blick für neue Ideen und Investitionen schaffen.“

Andreas Braun, Geschäftsführer Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg wünschte sich einen neuen Denkansatz: „Reisen ist ein Menschenrecht. Das will und kann man niemandem verbieten. Es geht darum, tragbare Lösungen zu finden, wozu auch Ansätze der Besucherführung und weitere digitale Lösungen gehören. Wir müssen uns von dem Denken lösen, dass es die „Touristen“ sind, denn jeder von ist irgendwo ein Tourist. Wir als Destinationen sind gefragt, wie wir mit Konfliktsituationen umgehen und Lösungen finden. Die Tourismuswirtschaft in Deutschland ist viel kleinteiliger als in anderen Ländern. Wir müssen uns auf unsere regionalen Stärken, wie Qualität und menschlichen Anschluss besinnen.“ Außerdem wies er auf die Notwendigkeit nachhaltiger Perspektiven hin: „Es herrscht große Einigkeit im deutschen Tourismus darüber, dass sich Tourismus nachhaltig entwickeln muss, im ökologischen, ökonomischen und sozialen Sinn. Wenn wir das machen, vermeiden wir Konflikte zwischen Einheimischen und Gästen.“

Frank Weber, Geschäftsführer Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH, stellte den zwischenmenschlichen Umgang hervor: „Als touristisches Unternehmen hat man eine Verantwortung für die Region. Der Weg muss ein „miteinander Sprechen“ sein anstelle eines „aufeinander Schimpfens“. Tourismus mit all seinen Vorteilen muss verstanden und gelebt werden. Ohne Touristen wäre das Angebot der Bodensee-Schifffahrt nicht das Gleiche, die Einheimischen profitieren auch davon. Zum Vergleich: Wir haben in einem guten Jahr 2,2 Millionen Fahrgäste – während Corona fast 50% weniger – unser Angebot könnte in diesem Umfang nicht mehr zur Verfügung stehen. Wir reden nicht von Touristen, sondern von Gästen – für uns sind alle, egal ob Einheimische oder Reisende ein willkommener Gast.“

Für Bettina Gräfin Bernadotte, Geschäftsführerin der Mainau GmbH, lag der Fokus auf einer nachhaltigen Weiterentwicklung touristischer Angebote: „Gemeinsam mit allen Partnern der Region wollen wir nach ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen und insgesamt fairen Gesichtspunkten arbeiten, damit die Einzigartigkeit der Bodenseelandschaft und die besondere Atmosphäre für Einheimische und Touristen in einem guten Miteinander erhalten wird. Nachhaltiger Tourismus ist das Gebot der Stunde.“ Gleichwohl sah sie die Notwendigkeit, als Arbeitgeberin verantwortungsvoll mit den Herausforderungen der Branche umzugehen: „Der Standort ist aufgrund seines hohen Freizeitwertes attraktiv. Mit den höheren Preisen für Einheimische in touristischen Regionen muss man auch als Arbeitgeber und Arbeitgeberin kreativ umgehen, zum Beispiel durch gezielte Angebote wie Mitarbeiterwohnungen. Es ist wichtig, dass wir uns auf Lösungen konzentrieren, nicht auf die Probleme.“

Stefan Friedrich, Bürgermeister der Gemeinde Allensbach wies auf die Bedeutung von Tourismus für das Dienstleistungsgewerbe hin: „Wir wollen Reisen nicht verbieten und schimpfen auch nicht auf Gäste. 200.000 Übernachtungen bedeuten 400.000 Brötchen, die bei uns produziert werden und damit Beschäftigung – viele Dienstleistungen werden erst durch die Touristen wirtschaftlich. Die Mehrheit der Bevölkerung ist gastfreundlich eingestellt, wünscht sich aber gleichermaßen auch ein gastfreundliches Verhalten der Gäste, dann haben wir eine win-win-Situation. Es gibt nicht nur schwarz/weiß und es geht nicht überall reibungslos, denn es gibt immer Herausforderungen im Bezug zum Tourismus, die angegangen werden müssen.“ Außerdem solle man die Region größer denken: „Der Bodensee ist mehr als die Seelinie, es gibt so viel zu entdecken. Wir müssen den See weiter fassen, dann entspannt sich auch die Lage direkt am See. Geht man vom See direkt weg und wandert z. B. die Hegau, hat man ganz viel Natur für sich und kann abends dennoch an den See.“

Lars Bengsch, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens dwif-Consulting GmbH, hatte die Menschen vor Ort im Blick: „Wir begleiten die Initiative über das gesamte Jahr hinweg mit Befragungen und Erhebungen. Die Bevölkerung ist sich der Bedeutung des Tourismus durchaus bewusst und bewertet den Tourismus für die Region auch weitestgehend positiv – 72% der Befragten gaben an, selbst die freizeittouristischen Angebote zu nutzen. Doch an manchen Stellen drückt auch der Schuh:  Insbesondere die Verkehrsprobleme, Preissteigerungen und die teilweise vielen Touristen wirken sich auf die negative Wahrnehmung aus. Dennoch leben 94% immer noch gerne in der Region und 88% erachten ein gastfreundliches Verhalten als selbstverständlich.“ Laut seiner Umfragen wünschen: „49% der Einwohnerinnen und Einwohner mehr Berücksichtigung der eigenen Belange bei der touristischen Entwicklung.“

Die weiteren Experten-Talks finden wie folgt statt:

  • Mai 2022: Im Kleinen großen Haus Blaubeuren von 19 bis 21 Uhr zum Thema „Schafft Tourismus kulturellen Austausch?“
  • Mai 2022: Im Tourismuskompetenzzentrum Freiburg von 19 bis 21 Uhr zum Thema „Nachhaltiger Tourismus: das unterschätzte Potenzial?“
  • Mai 2022: Auf dem Bildungscampus Heilbronn von 19 bis 21 Uhr zum Thema „Tourismus: Arbeitgeber der Zukunft?“
  • Mai 2022: Im Kurzentrum Bad Buchau von 12 bis 14 Uhr zum Thema „Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum durch prädikatisierte Heilbäder und Kurorte“
  • Juni 2022: Im Mercedes-Benz Museum von 13.30 bis 15.30 Uhr zum Thema „“i-Mobility and Green energy“: Kann Tourismus Zukunft?“

 

 

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