München, 5. Mai 2022 (w&p) – Unter dem Titel „Wiege der Kultur: Schafft Tourismus kulturellen
Austausch?“ lud das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg jetzt zu
einem Experten-Talk in das Kleine große Haus in Blaubeuren. Die Veranstaltung war der zweite
Termin einer sechsteiligen Veranstaltungsreihe im Rahmen der Initiative zur Steigerung der
Tourismusakzeptanz im Land, die sich in unterschiedlichen Regionen Baden-Württembergs mit dem
Thema auseinandersetzen. Knapp 380.000 Menschen in Baden-Württemberg sind im touristischen
Sektor beschäftigt. Nichtsdestotrotz herrscht aktuellen Studien zufolge in großen Teilen der
einheimischen Bevölkerung Skepsis gegenüber der Branche. Unter dem Leitspruch „DU. bist
Tourismus“ soll die Bevölkerung umfassend und transparent über den Mehrwert der
Freizeitindustrie informiert werden.
Neben Staatssekretär Dr. Patrick Rapp MdL diskutierten renommierte Branchenköpfe und
Tourismus-Profis über Erfahrungen, Lösungsansätze und Ideen für die Zukunft, darunter Dr. Stefanie
Kölbl (Geschäftsführende Direktorin des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren), Dr. Hannes
Napierala (Geschäftsführer Campus Galli), Louis Schumann (Geschäftsführer Schwäbische Alb
Tourismus) und Markus Seibold (Prokurist dwif Consulting GmbH).
Der Tourismus spielt im Süd-Westen Deutschlands seit jeher eine bedeutsame Rolle, aus
wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Sicht. Die Schwäbische Alb bietet Touristen wie
Einheimischen einen weiten Spannungsbogen, um in den Austausch zu kommen: Gegensätzliche
Attraktionen, wie das Urgeschichtliche Museum als zentrales Informationszentrum für das UNESCOWelterbe „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ und der Campus Galli, aber auch OutletCities bieten Kontaktmöglichkeiten über gemeinsame Interessen oder die Möglichkeit, in einer der
Attraktionen an Veranstaltungen teilzunehmen oder gar zu arbeiten.
Staatssekretär Dr. Rapp stellte hervor, dass es wichtig sei, sich dem Thema Tourismus
verantwortlich zu nähern: „Es geht uns darum, Konflikte zu vermeiden, Transparenz zu schaffen und
mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Der Tourismus nimmt eine Vorreiterrolle für
nachhaltiges Verhalten ein und wird wirtschaftlich immer schwergewichtiger.“ Des Weiteren sagte
er: „Wir befinden uns nach einer zweijährigen Pandemiephase in einer Neustartsituation in der
Branche und wollen einen positiven Blick für neue Ideen und Investitionen schaffen.“
Die These des Talks bestätigt sah Louis Schumann, Geschäftsführer Schwäbische Alb Tourismus: „Es
geht uns darum, die positiven Effekte des Tourismus darzulegen, Transparenz zu schaffen und mit
den Menschen ins Gespräch zu kommen. Nur Tourismus kann kulturellen Austausch schaffen. Wie
sollen sich Kulturen weiterentwickeln, wenn nicht durch Reisen in andere Regionen/Länder? Der
Tourismus ist Grundvoraussetzung für kulturellen Austausch, aber kein Garant dafür. “ Auch Dr.
Hannes Napierala, Geschäftsführer Campus Galli, betonte, dass für ihn der Fokus auf
zwischenmenschlichem Austausch läge: „Unser Freilichtmuseum ist nicht nur ein Ort des Lernens,
sondern auch der Begegnung. Die Besucher unserer Mittelalterbaustelle nehmen nicht nur etwas
mit, sie lassen auch etwas da, weil sie nicht mit Tafeln und Audioguides interagieren, sondern mit
Menschen.“ Weiter führte er aus: „Durch die Möglichkeit auf unserer Baustelle mitzuarbeiten
begegnen sich Menschen, die sonst nie zusammenkommen würden, und es werden nicht nur
Ländergrenzen, sondern auch Grenzen in den Köpfen überwunden: Handwerker und Akademiker,
Studenten, Banker und Ingenieure, Menschen aus Führungsetagen und Langzeitarbeitslose,
Lebenskünstler und Bundeswehrsoldaten.“
An den Stellenwert eines divers aufgestellten Kulturprogramms erinnerte Dr. Stefanie Kölbl,
Geschäftsführende Direktorin des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren: „Als Museum, das eng
in der lokalen Bevölkerung verankert ist, aber gleichzeitig ein UNESCO-Welterbe vermittelt, müssen
wir deutlich auf ein ausgewogenes Angebot an Programmen achten. Eine Fokussierung auf eine
Zielgruppe ist in der Kulturarbeit nicht mehr zeitgemäß. Die lokale Bevölkerung muss auch immer
etwas von einer Kulturinstitution oder von einem Alleinstellungsmerkmal einer Region haben. Mit
Aktionstagen wie etwa das Museumsfest am Internationalen Museumstag, der Welterbetag oder
der Familientag in Zusammenarbeit der Blaubeurer Bürgerstiftung finden Gäste und Bürger
gleichermaßen zusammen.“ Eine Herausforderung sah sie indes beim Besucheraufkommen und in
der kulturellen Aneignung: „Das Verhältnis von Bürgern und Gästen einer Region kann in der Tat
angespannt sein, wenn zu viele Personen punktuell zusammentreffen. Gerade im Kulturbereich hat
sich in den letzten Jahren ein starkes Bewusstsein für die Folgen einer kulturellen Aneignung
entwickelt.“
Markus Seibold, Prokurist des Beratungsunternehmens dwif-Consulting GmbH, hatte die Menschen
vor Ort im Blick: „Im Vorfeld der Expertentalks wurde eine Bevölkerungsbefragung durchgeführt,
bei der auch die Bevölkerung in der Schwäbischen Alb zu Ihrer Einstellung zum Tourismus befragt
wurde. Das Ergebnis: Die Bedeutung des Tourismus für die Schwäbische Alb wird von der eigenen
Bevölkerung häufig unterschätzt. Nur 14% der Befragten maßen ihm eine große Bedeutung bei. Die
Eigenwahrnehmung als Urlaubsregion und das Wissen um die vielfältigen wirtschaftlichen
Verflechtungen des Tourismus sind offensichtlich noch ausbaufähig. Gleichzeitig stehen die
Menschen in der Region dem Tourismus positiv gegenüber. 82% sind der Ansicht, dass der
Tourismus das Ansehen und die Bekanntheit der Region steigert. 72% nutzen gerne die
freizeittouristischen Angebote. Ein großes Pfund ist zudem die ausgeprägte Gastfreundschaft der
Menschen auf der Alb.“
Weitere Termine und Themen von Experten-Talks:
• 10. Mai 2022: Im Kompetenzzentrum Tourismus Freiburg von 19 bis 21 Uhr zum Thema
„Nachhaltiger Tourismus: das unterschätzte Potenzial?“
• 11. Mai 2022: Im Forum des Bildungscampus Heilbronn von 19 bis 21 Uhr zum Thema
„Tourismus: Arbeitgeber der Zukunft?“
• 01. Juni 2022: Im Mercedes-Benz-Museum von 13.30 bis 15.30 Uhr zum Thema „i-Mobility
and Green energy: Kann Tourismus Zukunft?“
