Kunst als räumliche Sprache: eine kuratierte Sammlung zwischen asiatischer Reduktion und europäischer Gegenwart
Frankfurt am Main/Köln, 31. März 2026 (w&p) – Mit THE FLORENTIN eröffnete die Althoff Collection ein Haus in Frankfurt, das Kunst als konzeptuelle Disziplin versteht. Initiiert und getragen von den Eigentümern als treibende Kraft hinter der inhaltlichen Ausrichtung des Hauses, ist die permanente zeitgenössische Kunstsammlung als räumlich wirksames Narrativ gedacht: Sie strukturiert und verbindet Architektur, Interior und Atmosphäre. Kunst wird so zur stillen Ordnungskraft – als Mittel der Konzentration und zur intellektuellen Vertiefung von Raum und Aufenthalt.
Das Kunstkonzept wurde von VELVENOIR Art Consulting aus Salzburg entwickelt, kuratiert und umgesetzt. In enger Zusammenarbeit mit den Interior-Design-Studios
Unscripted (Singapur) und Atelier Zürich (Zürich) entstand ein Prozess, in dem Kunst, Raum und Materialität von Anfang an gemeinsam gedacht wurden. Das Zusammenspiel, Produktionsentscheidungen der Auftragsarbeiten und die Positionierung der Werke entwickelten sich synchron mit der Innenarchitektur. Die Sammlung ist damit integraler Bestandteil der räumlichen Struktur und nicht nachträglich appliziert.
Sammlung und kuratorischer Ansatz
Die Sammlung umfasst 471 originale Arbeiten von elf international tätigen Künstlerinnen und Künstlern. Sie setzt sich aus eigens beauftragten Werkgruppen, ortsspezifischen Arbeiten und kuratierten Ankäufen zusammen und ist in 134 Gästezimmern, Lofts und Suiten, in Korridoren sowie in allen öffentlichen Bereichen installiert.
Die Werke wurden von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern eigens für das Haus entwickelt und formulieren die kuratorischen Themen in unterschiedlichen künstlerischen Sprachen. Der kuratorische Leitgedanke ist Reduktion und Balance mit der Einladung zum Ankommen und Verweilen. Die Sammlung folgt einer präzisen, zurückgenommenen Haltung, die dem Raum erlaubt, zu wirken, und dem Betrachter Zeit gibt, sich auf Nuancen einzulassen. Viele Arbeiten beziehen sich auf natürliche Formen und elementare Prozesse. Botanische Studien, abstrahierte Landschaften und feine Linienkompositionen erinnern an Gärten, Pflanzenstrukturen oder natürliche Bewegungen und übersetzen diese Beobachtungen in eine zeitgenössische Bildsprache. Ein subtiler asiatischer Einfluss, der das Interior-Konzept von Unscripted prägt, findet sich auch in der Kunst wieder. Die Werke greifen Eindrücke aus Natur und Umgebung auf und übersetzen sie in unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen. So entsteht eine Sammlung, die Themen wie Vegetation, Licht, Bewegung und Landschaft aufgreift und mit der Atmosphäre des Hauses verbindet. Kunst wird zum Resonanzraum für Licht, Textur und Bewegung.
Künstlerische Arbeiten
Das Künstlerinnenduo RappUnger (Idalene Rapp und Natascha Unger), ausgebildet an der Kunsthochschule Berlin Weißensee, arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Handwerk und Design. Ihre Praxis ist geprägt von materialbasierten Experimenten, textilen Verfahren und einer intensiven Auseinandersetzung mit Wahrnehmung. Mit über zahlreichen Arbeiten, darunter Werke wie die Papiercollage „Wild Bloom“, eine experimentelle Gewebstruktur aus Papier namens „Flowing gradient“ oder die oxidierten Messing Bilder „Drawn to light“ und „Linger in fall“ lieferten sie einen Großteil der Sammlung in den Gästezimmern und Korridoren. Ihre handgewebten Textilien und behandelten Metalloberflächen transformieren Farbe und Material in leise, taktile Bildräume.
Der Fotograf Jan Schünke (Deutschland) ist für konzeptuelle Serien bekannt, in denen Naturmotive in reduzierte fotografische Bildräume überführt werden. Für THE FLORENTIN entwickelte er eine eigene Werkserie, inspiriert vom Namen des Hauses und dem üppig begrünten Innenhof. Ausgangspunkt der Arbeiten sind Stillleben-Kompositionen, in denen florale Elemente arrangiert und durch gezielte Lichtführung inszeniert werden. Licht und Schatten spielen dabei eine zentrale Rolle: Formen treten hervor, verschwinden wieder im Dunkel und erzeugen eine ruhige, beinahe meditative Bildwirkung. Durch die Transformation von Farbe in Schwarz-Weiß werden die Motive weiter reduziert und in eine abstraktere Bildsprache überführt. Die Arbeiten laden zum Verweilen und genaueren Hinsehen ein und greifen gleichzeitig die Idee von Überlagerung und räumlicher Tiefe auf, die sich an verschiedenen Stellen im Haus wiederfindet.
Dušica Pejic (Serbien) bewegt sich zwischen Abstraktion, Kalligrafie und performativem Ausdruck. Ihre Kunstwerke sind geprägt von jahrelanger Erfahrung im expressiven Tanz. Im THE FLORENTIN verbindet sie die Tradition der japanischen Tuschemalerei Sumi-e mit westlichen Elementen. Reduktion, Bewegung und das bewusste Verhältnis von Leere und Setzung bestimmen ihr Werk.
Amélie Ducommun, ausgebildet an der ENSAD Paris sowie an der Hochschule der Bildenden Künste in Barcelona, zählt zu einer jüngeren Generation etablierter abstrakter Malerei. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen lyrischer Abstraktion und fragmentarischer Landschaft. In der Sammlung erzeugen sie Momente der Ruhe und kontemplativen Tiefe.
In den Loft-Suiten sind keramische Arbeiten der italienischen Künstlerin Silvia Granata zu sehen, die durch extrem dünne Wandungen und bewusst kontrollierte Brennprozesse entstehen. Die Objekte thematisieren Fragilität, Transformation und Vergänglichkeit und verweisen subtil auf japanische Rituale und materielle Reduktion.
Die Künstlerin Marianne Lang (Österreich), ausgebildet an der Universität Mozarteum Salzburg, arbeitet zeichnerisch und raumbezogen. In der Lobby zeigt sie ein großformatiges Werk, das die historische Villa interpretiert. Architektur, Vegetation und Farbe verschmelzen zu einer poetischen Hommage an den Ort und seine Geschichte.
Zwei Arbeiten der koreanischen Künstlerin Sun Young Min begrüßen die Gäste im Empfangsbereich des Hauses. Die Werke entstehen aus Hanji, einem traditionellen koreanischen Papier, das aus den Fasern des Maulbeerbaums hergestellt wird und seit Jahrhunderten für seine besondere Widerstandsfähigkeit und feine Struktur geschätzt wird.
In einem aufwendigen Prozess verbindet die Künstlerin die dak-Fasern des Hanji mit mineralischen Pigmenten in sanften Beige- und pflanzlichen Grüntönen, ergänzt durch feine Linien aus Blattgold. Die Oberfläche des Papiers wird dabei nicht nur zum Bildträger, sondern selbst zum zentralen Material der Arbeit: Falten, Verdichtungen und Farbspuren entstehen im Zusammenspiel von Pigment, Wasser und Faserstruktur. Sun Young Mins Arbeiten bewegen sich zwischen Tradition und zeitgenössischer Abstraktion. Ihre Praxis greift Elemente ostasiatischer Papier- und Maltraditionen auf und verbindet sie mit einer reduzierten, räumlich gedachten Bildsprache. Die Arbeiten entfalten ihre Wirkung besonders im Zusammenspiel von Material, Licht und Oberfläche, wodurch sie eine ruhige, beinahe meditative Präsenz im Raum entwickeln. Die Serie „Hanji Petals“ verweist poetisch auf den Ursprung des Materials: Blüten, Licht und Pflanzenfasern verschmelzen zu Papier, während Pigmente in die Oberfläche einsickern und sich in feinen Spuren verteilen. In dieser Verbindung von Naturmaterial, Farbe und Geste entsteht eine Bildsprache, in der sich östliche und westliche Einflüsse begegnen – wie flüchtige Farbstimmungen, die sich langsam auf der Oberfläche des Papiers entfalten.
Die Arbeiten im Empfangsbereich setzen damit einen stillen Auftakt zur Sammlung: Materialität, Handwerk und Licht verbinden sich zu einer ruhigen visuellen Erfahrung, die Gäste beim Betreten des Hauses empfängt.
Drei großformatige Arbeiten der japanisch-amerikanischen Künstlerin Hiroko Yoshimoto sind im Haus unter den Titeln Somewhere in a Garden #1–3 zu sehen. Die Ölgemälde entfalten weitläufige, atmosphärische Bildräume, in denen sich organische Formen, Farbflächen und gestische Strukturen überlagern. Yoshimotos Malerei ist geprägt von ihrer biografischen Verbindung zwischen Japan und den USA. Geboren in Japan und später in Los Angeles ausgebildet, verbindet ihre Arbeit Einflüsse asiatischer Bildtraditionen mit einer zeitgenössischen, abstrakten Malerei. Die Serie Somewhere in a Garden verweist auf Naturerfahrungen, ohne diese direkt abzubilden. Farbverläufe, Linien und offene Bildflächen erinnern an vegetative Strukturen, Wasserbewegungen oder Lichtstimmungen eines Gartens. Die Motive bleiben dabei bewusst fragmentarisch – eher Andeutungen als konkrete Darstellungen. Durch gestische Pinselbewegungen und transparente Farbschichten entstehen Bildräume, die zwischen Landschaft, Erinnerung und Abstraktion oszillieren. Yoshimotos Arbeiten laden zu einer langsamen Betrachtung ein und öffnen einen visuellen Raum, in dem sich Natur, Bewegung und Wahrnehmung überlagern. In den Räumen des Hauses wirken die drei Gemälde wie atmosphärische Landschaften ohne festen Ort – offene Bildfelder, die Ruhe ausstrahlen und den Blick in eine imaginierte Gartenlandschaft führen.
Die Villa als autonomes Kunstwerk
Die historische Villa wird als eigenständiges Gesamtkunstwerk verstanden, in dem Architektur, Materialien und Geschichte den kuratorischen Rahmen setzen, Kunst gezielt eingesetzt wird und sich mit dem Dekor verbindet, sodass jeder Gesellschaftsraum für sich wirkt und wie die neun Signature Suiten als individuell gestaltete, immersive Themenwelten dastehen.
In Übergangszonen, wie der Cigar Lounge, verbindet eine Auftragsarbeit aus handgearbeitetem Leder von Marianne Lang, welche an Tabakblätter erinnern sollen, sowie eine Installation der Berliner Lichtküstler „Licht Kunst Licht“ aus bestehenden, neu interpretierten, Murano-Glaselementen die historische Substanz mit einer zeitgemäßen Handschrift.
Förderung junger Künstler
THE FLORENTIN versteht sich bewusst als Plattform für künstlerische Entwicklung. Ein wesentlicher Teil der Sammlung entstand in direkter Zusammenarbeit mit jungen und aufstrebenden Künstlerinnen und Künstlern, deren Offenheit und konzeptuelle Tiefe zentrale Impulse lieferten. Das Haus bietet Raum, Sichtbarkeit und Kontext, um Arbeiten im Dialog mit Architektur und Öffentlichkeit zu zeigen.
Die Kunst im Haus ist als dynamisches System angelegt. Erweiterungen, Rotationen und neue Setzungen sind Teil des Konzepts. In Kooperation mit dem Städel Museum Frankfurt werden neue Formate entstehen, die Kunst und Gast in einen direkten Dialog bringen und den Aufenthalt um kuratierte, sinnlich erfahrbare Begegnungen erweitern.
Mit seinem Art Concept positioniert sich das neue Urban Retreat innerhalb der Althoff Collection bewusst eigenständig: als Ort zeitgenössischen Weitblicks, der neue Maßstäbe für die Verbindung von Kunst, Architektur und Hospitality setzt. „Mit THE FLORENTIN erweitern wir die Althoff Collection um ein Haus, das Kunst nicht als Dekoration versteht, sondern als konzeptionellen Bestandteil des Gesamterlebnisses. Diese Haltung prägt zunehmend die Entwicklung anspruchsvoller Hospitality-Konzepte“, sagt Frank Marrenbach, CEO der Althoff Hotels.
„Die Kunstsammlung im THE FLORENTIN ist kein abgeschlossenes Statement, sondern ein lebendiger Prozess. Sie schafft Konzentration, öffnet Denk- und Wahrnehmungsräume und entwickelt sich gemeinsam mit dem Haus und seinen Künstlerinnen und Künstlern weiter. Dass Kunst hier als konzeptionell prägende Kraft des Hauses verstanden wird, ist auch dem klaren inhaltlichen Impuls der Eigentümer zu verdanken. Auf diese Weise erhält THE FLORENTIN auch innerhalb der Althoff Collection ein unverwechselbares Profil – als Ort, der über klassische Hotellerie hinausgeht und in dem Kunst, Architektur und Atmosphäre ein eigenständiges Erlebnis formen“, sagt Boris Messmer, General Manager von THE FLORENTIN.
