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Wie die Rhätische Bahn den Winterbetrieb sichert 

Chur, 3. Februar 2026 (w&p) – Kalte Jahreszeit in der Schweiz: Schneefall, Minustemperaturen und Lawinengefahr prägen den Winter in Graubünden. Während winterliche Extrembedingungen andernorts schnell zu Einschränkungen führen, bleibt der Betrieb der Rhätischen Bahn auch in der kalten Jahreszeit ein verlässlicher Bestandteil des Alltags. Möglich ist das, weil die Rhätische Bahn den Winterbetrieb nicht als Ausnahme, sondern als festen Bestandteil des täglichen Betriebs versteht – organisatorisch, personell und infrastrukturell.

Winterbetrieb als eingeplante Realität

Das 384 Kilometer lange Streckennetz der Rhätischen Bahn verläuft nahezu vollständig im alpinen Raum. Schnee, Wind und Kälte gehören hier zum Alltag. Entsprechend organisiert die Rhätische Bahn den Winterbetrieb nicht als Reaktion auf Extremwetter, sondern plant ihn dauerhaft ein. Teams räumen und kontrollieren täglich Weichen, Gleise, Tunnelportale und Bahnübergänge – häufig nachts, bei eingeschränkter Sicht und starkem Wind. Auf hochgelegenen Abschnitten wie der Bernina- oder Albulalinie treten Schneeverwehungen und hohe Schneelasten eher regelmäßig als ausnahmsweise auf.

Entscheidungen dort, wo sie wirken

Ein wesentlicher Unterschied liegt in der dezentralen Entscheidungslogik. Die Rhätische Bahn unterteilt ihr Streckennetz in regionale Abschnitte, für die spezialisierte Teams verantwortlich sind. Diese beurteilen Wetterentwicklungen, Lawinengefahr und Streckenzustände vor Ort – teilweise bis auf die Ebene einzelner Hänge. Entscheidungen über Sperrungen, Anpassungen oder zusätzliche Sicherungsmaßnahmen fallen regional und kurzfristig. Prognoseunsicherheiten fließen bewusst in die Entscheidungsfindung ein: Im Zweifel hat Sicherheit Vorrang vor Betriebsstabilität.

Aktives Sicherheits- und Risikomanagement

Der Winterbetrieb der Rhätischen Bahn basiert auf einem präventiven Naturgefahrenmanagement. In Zusammenarbeit mit externen Fachstellen wie dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung Schweiz SLF sowie spezialisierten Sicherheitsunternehmen analysiert die Rhätische Bahn laufend Schneeverteilung, Lawinengefahr und Wetterentwicklungen. Bei erhöhter Gefährdung sperrt sie Streckenabschnitte frühzeitig und führt kontrollierte Lawinensprengungen durch – teils per Helikopter, teils über fest installierte Systeme. Ergänzend schützen bauliche Maßnahmen wie Lawinengalerien und Verwehungszäune die Infrastruktur. Allein in der Wintersaison 2023/24 setzte die Rhätische Bahn rund 1.900 sicherheitsrelevante Maßnahmen um.

Erfahrung, Personal und eingespielte Abläufe

Über 100 Mitarbeitende stehen im Winterbetrieb regelmäßig im Einsatz – von Schneeräum- und Infrastrukturteams über Lokführerinnen und Lokführer bis hin zu Lawinenexpertinnen und -experten. Viele arbeiten seit Jahren auf denselben Streckenabschnitten. Diese Erfahrung prägt die Abläufe: Teams beginnen Räum- und Kontrollarbeiten oft mitten in der Nacht, setzen spezielle Schneeräumfahrzeuge ein und übernehmen manuelle Einsätze an sensiblen Punkten. Winterbetrieb ist dabei weniger eine Frage einzelner Maßnahmen als das Ergebnis eingespielter Prozesse und einer entsprechenden Unternehmenskultur.

Mobilität als öffentliche Verantwortung

Gerade im Winter zeigt sich die gesellschaftliche Rolle der Rhätischen Bahn besonders deutlich. Sie verbindet abgelegene Täler mit regionalen Zentren und stellt sicher, dass Arbeitswege, Schulbesuche, medizinische Versorgung und Gütertransporte auch bei schwierigen Bedingungen möglich bleiben. Wenn Straßen witterungsbedingt eingeschränkt sind, erweist sich die Bahn häufig als das verlässlichste Verkehrsmittel.

Winter als Maßstab

Was die Rhätische Bahn ausmacht, ist ihr Umgang mit dem Winter selbst. Schnee, Eis und Naturgefahren betrachtet sie nicht als Störung, sondern als Planungsmaßstab. Organisation, Infrastruktur und Entscheidungsprozesse richtet die Rhätische Bahn konsequent darauf aus, auch unter anspruchsvollen Bedingungen zu funktionieren. Der Winter wird so jedes Jahr zum Belastungstest – und zur Bestätigung eines Systems, das auf Verlässlichkeit unter Druck ausgelegt ist.

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