München, 17. September 2026 (w&p) – Gegenläufiger Trend: Elektroautos spielen bei der privaten Mobilität eine zunehmend wichtigere Rolle, beim Ferienmietwagen entwickelt sich das Interesse deutscher Reisender jedoch in eine andere Richtung. Nur 44 Prozent können sich grundsätzlich vorstellen, künftig ein Elektrofahrzeug zu mieten, 2021 lag die Zahl noch bei 50 Prozent. Dies ergibt die aktuelle Befragung des Mietwagen-Anbieters Sunny Cars, durchgeführt vom NIT*. Die Studie kombinierte dafür Daten aus der allgemeinen repräsentativen Reiseanalyse 2026 mit einer aktuellen Befragung zum Thema Mietwagen.
Erkenntnisse aus der aktuellen Befragung zum Thema Mietwagen auf Reisen
Nicht einmal jede zweite Person möchte ein E-Urlaubsauto
44 Prozent aller befragten Personen gaben 2026 an, in Zukunft gerne ein E-Auto im Urlaub zu mieten. Damit ist im Zeitvergleich gegenüber 2021 der Anteil der potenziellen E-Auto-Kundinnen und -Kunden innerhalb des Gesamtmarktes deutlich gesunken. Vor fünf Jahren lag der Anteil noch bei genau der Hälfte aller Befragten, nun überwiegt der Anteil an Menschen, die kein Interesse an einem E-Auto im Urlaub haben.
Buchungsbereitschaft vs. Buchungszahlen
Zwischen dem Anteil von 44 Prozent Buchungswilligen und der Anzahl an tatsächlich Buchenden klafft laut Sunny Cars ebenfalls noch eine Lücke. „Viele Reisende finden Elektromobilität grundsätzlich interessant, die meisten entscheiden sich aber letztlich doch gegen ein Elektroauto im Urlaub“, erklärt Thorsten Lehmann, Geschäftsführer von Sunny Cars. So klickt bei Sunny Cars – trotz umfassendem Angebot an E-Autos in weiten Teilen der Welt – aktuell nur eine sehr geringe Anzahl an Personen auf den Fahrzeugtyp Elektroauto bei ihrer Reservierung.
Erkenntnisse der repräsentativen Reiseanalyse
Im Urlaub zählt vor allem unkomplizierte Mobilität
Die Zurückhaltung gegenüber Elektro-Mietwagen ist vor dem Hintergrund der allgemeinen Nutzungsmotive für Ferienautos zu betrachten. Die Reiseanalyse 2026 zeigt, wie Deutsche den Mietwagen im Urlaub aktuell nutzen. 90 Prozent aller Anmietungen entfallen auf die wichtigste Urlaubsreise des Jahres mit Fokus auf Bade- und Entspannungsurlaube. Knapp die Hälfte der Befragten besucht das jeweilige Ziel zum ersten Mal – Mietwagenreisen führen demzufolge überdurchschnittlich oft an neue Reiseziele. Denn gerade hier ermöglicht es der Mietwagen, das noch unbekannte Urlaubsland flexibel zu erkunden. „Bei einem Erstbesuch fehlt Reisenden die Erfahrung mit Blick auf Entfernungen, Straßenverhältnisse und die örtliche Infrastruktur“, ordnet Thorsten Lehmann ein. „Ein Elektro-Mietwagen muss für Reisende genauso einfach nutzbar sein wie ein Verbrenner. Reisende kennen jedoch oft nicht die Infrastruktur ihres Reiselands und möchten ganze Roadtrips oder auch längere Strecken fahren. Da scheint das E-Auto wohl zu kompliziert, nehme ich an – auch, wenn vielleicht privat schon E-Autos genutzt werden.“
Einschätzung des Experten
Zurückhaltung der Kundinnen und Kunden und ihre Gründe
„Die Studienergebnisse decken sich mit der Realität, die wir als Mietwagen-Anbieter sehen. E-Mietwagen buchen aktuell nur sehr wenige“, so Thorsten Lehmann. „Wir sehen auf der Seite der Nachfragenden dafür drei Gründe: Am entscheidendsten ist das Thema Ladeinfrastruktur, dazu kommen Rückgabe-Themen beim E-Mietwagen und zuletzt die generelle Unsicherheit, ein E-Auto zu nutzen.“
Das Problem der Ladeinfrastruktur und regionale Unterschiede
Gerade bei Rundreisen und langen Fahrten möchten Autoreisende einschätzen können, ob ausreichend Lademöglichkeiten vorhanden sind und ob sie ohne Sprachbarrieren bei der Anleitung an der Ladesäule zurecht kommen. Anders als im Alltag kennen sie am Ferienziel weder die örtliche Infrastruktur noch die jeweiligen Ladesysteme. In den südeuropäischen Haupturlaubsländern ist die Situation sehr unterschiedlich. Auf Inseln wie Mallorca oder Ibiza ist eine Ladeinfrastruktur zwar existent, ein weiterer Ausbau jedoch erforderlich. Anderswo sieht es noch zurückhaltender aus – Portugal hat beispielsweise nur eine rudimentäre Ladeinfrastruktur, in Griechenland ist sie kaum existent.
Rückgabe und Unsicherheit bei E-Mietwagen
Auch die Rückgabe ist leider kein Kinderspiel. Die meisten Vermieter erwarten die Rückgabe mit 80 Prozent Ladestand wie bei der Übernahme, andernfalls werden hohe Gebühren verlangt. Viele haben keine Zeit und Muße, vor der Heimreise den exakten Ladestand zu erzielen und viel Zeit an einer Ladestation zu verbringen, die sich oft noch dazu nicht in direkter Flughafennähe befindet.Kundinnen und Kunden, die selber kein E-Auto nutzen, scheuen davor – gerade im Urlaub – zurück, dies auszuprobieren und sich mit einer neuen Thematik intensiver auseinanderzusetzen.
Fazit
Im Vergleich zum seit Jahrzehnten erlernten Umgang mit Verbrenner-Fahrzeugen, deren einzige Erfordernis das Auffinden einer Tankstelle ist, ist die E-Auto-Anmietung immer noch mit vielen Herausforderungen und Unsicherheiten behaftet. Kundinnen und Kunden möchten im Urlaub Stress abbauen und sich nicht mit Fragen wie „Schaffe ich es noch bis zum Ziel?“ beschäftigen müssen. Damit Elektro-Mietwagen für mehr Reisende infrage kommen, müssen aus Sicht des Anbieters vor allem die praktischen Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehören vor allem eine gut ausgebaute und verlässlich auffindbare Ladeinfrastruktur und verständliche Bezahlsysteme.
*Über die Studie: Quelle und Methodik
Im Auftrag von Sunny Cars untersuchte das NIT (Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa) die Mietwagennutzung bei Urlaubsreisen im deutschen Quellmarkt. Die Studie besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil basiert auf Daten der Reiseanalyse 2026, die das Urlaubsverhalten der deutschsprachigen Bevölkerung erfasst. Die Reiseanalyse wird jährlich deutschlandweit durchgeführt und die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutschsprachige Bevölkerung in Deutschland. Der zweite Teil umfasst eine vertiefende Ad-hoc-Online-Befragung unter Personen im Alter von 18 bis 75 Jahren, die in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens einmal während einer Urlaubsreise einen Mietwagen genutzt hatten. Die Erhebung wurde im April und Mai 2026 durch das Marktforschungsinstitut Norstat durchgeführt. Insgesamt wurden 1.009 Online-Interviews realisiert. Für die weiteren Auswertungen wurden Personen ausgeschlossen, die den Mietwagen ausschließlich für die vollständige An- und Abreise vom Wohnort zum Urlaubsziel genutzt hatten. Die ausgewertete Stichprobe des Gesamtmarkts umfasst daher 761 Personen. Analysiert wurden unter anderem Marktvolumen und Zielgruppenstruktur, Reisegestaltung und -organisation, Informations- und Buchungswege, Entscheidungskriterien, Mietwagennutzung, Zufriedenheit sowie die zukünftige Nachfrage.

