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Kampfansage an die Plastiktüte – Wie auch im Tourismus das Bewusstsein für Müllvermeidung steigt

Müll ist buchstäblich in aller Munde – ganz besonders Plastikmüll. Ich kann mich kaum erinnern, dass ich jemals derartig viele Postings rund um die Verschmutzung der Meere in den sozialen Medien gesehen habe. Die Bilder von Fischen, die in Tüten verenden oder Motive von Meeresvögeln, deren Schnäbel in Plastikringen gefangen sind, sitzen tief. Neben dem zunehmend globalisierten Online-Handel leistet natürlich auch die Tourismus-Industrie einen unrühmlichen Beitrag zur Verschmutzung der Ozeane.

Wer glaubt, dass Müllteppiche nur unter der Wasseroberfläche des Pazifiks wabern, irrt. Auch das Mittelmeer leidet massiv unter der Plastiklast – und damit auch das liebste „Schwimmbecken“ der Europäer. Besonders die Flüsse – wie etwa der Nil, der Po oder auch die Rhone in Südfrankreich – tragen Unmengen von Müll ins Mittelmeer. Heißt: Das Problem entsteht nicht erst am Strand, sondern schon deutlich weiter flussaufwärts – hunderte Kilometer vor der Mündung.

Für die Tourismusverantwortlichen ist es ebenfalls höchste Zeit zu handeln. Verdreckte Strände sind schließlich alles andere als gut für das Geschäft. Auf den Balearen hat man nun gemeinsam mit dem Verein Futouris einen Masterplan entworfen, um den Plastikmengen Herr zu werden. Spanien – früher neben Italien nicht unbedingt als Primus in Sachen Umweltschutz bekannt – hat hier also anscheinend erkannt, dass es fünf vor zwölf ist. Von Plastiktüten in Supermärkten rudert man schon länger weg, nun will man zunehmend auch den Hoteliers auf die Finger schauen. Dass Strohhalme und Plastikbecher in All Inclusive-Resorts ein Unding sind, ist uns allen ja schon lange klar.

Den Bechern geht es auch zunehmend in den Städten dieser Welt an den Kragen. Wer heute in München, Amsterdam oder London einen Coffee-to-Go ordert, wird immer öfters aufgefordert, für rund einen Euro ein wiederverwertbares Exemplar zu erwerben oder den Americano halt schnell im Laden zu konsumieren. Auch dieses Ritual sollte eigentlich relativ rasch in Fleisch und Blut übergehen. In Asien gibt es nun die erste Hotelkette, die sich klipp und klar dem Kampf gegen Plastik und Wegwerf-Verpackungen verschrieben hat. Die großen etablierten Ketten arbeiten auch zunehmend daran, ihren Beitrag zu verringern. Warum soll Marmelade am Frühstücksbuffet auch einzeln verpackt sein? Ein Unding, wenn man drüber nachdenkt.

Plastikmüll, vor allem in den Weltmeeren, war auch ein großes Thema auf dem diesjährigen ITB Berlin Kongress. Bei einer Podiumsdiskussion sprachen Vertreter von Destinationen, Veranstaltern und Reedereien darüber, wie sie gedenken, ihren plastiktechnischen Fußabdruck zu reduzieren. Thomas Cook will stärker mit Destinationen kooperieren. TUI Cruises schwört prinzipiell, dass nichts über Bord geht, was nicht ins Meer gehört. In den nächsten Jahren möchte das Unternehmen komplett auf Wegwerf-Verpackungen verzichten. Keine Frage: Die Anklagen in Sachen Plastik gab es die letzten Jahre immer wieder. Aber dieses Mal ist der Ruf nach Taten größer als zuvor.

Dass die Zeit reif ist für wirksame Forderungen, haben allen voran die Umweltorganisationen erkannt. Sie sehen die Stunde gekommen für dieses wichtige Thema und trommeln für ihre Botschaft insbesondere in den sozialen Medien. Der WWF wirbt derzeit zum Beispiel für eine Spendenaktionen für Vietnam. Als Strom, der durch mehrere Länder fließt, kommt dem Mekong nämlich eine ganz besondere Rolle zu, der maßgeblich für den Transport von Müll an die Strände Südostasien beiträgt. Daher setzt die Organisation auch hier schon flussaufwärts an und investiert gezielt in die Aufklärung und Sensibilisierung der Land- und Stadtbevölkerung in puncto Müllvermeidung. Überaus nachahmenswert, wie ich finde!

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