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Beim Reisen einmal neue Wege gehen – Strategien gegen „Übertourismus“

Auch die Reise-Branche hat ihre Grenzen: Und so ist es nicht verwunderlich, dass die weltweit größte Fachmesse, die ITB Berlin, auch in diesem Jahr unter anderem wieder das Thema „Overtourism“ in ihren Fokus stellt. Bereits 2018 hatte die Messe insbesondere beim ITB Kongress darüber diskutiert, wie viele Besucher zu viele Besucher sind und was sich gegen den Übertrend tun lässt.

Schließlich sind es vor allem die Bewohner von Städten und Urlaubsregionen, die ab einem gewissen Grad auf die Barrikaden gehen. Die Bilder von Umweltgegnern in Venedig, die es insbesondere auf die Kreuzfahrt-Industrie abgesehen haben, dürften kaum jemandem entgangen sein. Auch die Bewohner Barcelonas haben mit ihren „Tourist go home“-Transparenten für so einiges an medialer Aufmerksamkeit gesorgt.

Sie sind nicht allein. In Kroatiens Küstenstadt Dubrovnik formiert sich ebenfalls seit Jahren der Widerstand. Auf Mallorca klagen die Einwohner über Umweltzerstörung und überfüllte Strände und auch in der Grachtenstadt Amsterdam war die Stimmung gegenüber Touristen schon mehrfach vor dem Kippen.

Die Regionen und Metropolen Europas reagieren zunehmend. Amsterdam investiert zum Beispiel nichts mehr ins Tourismus-Marketing und unterstützt auch keinerlei Pressereisen mehr. Im gleichen Zuge versucht das niederländische Tourist-Board, den Besuchern zunehmend weniger bekannte Ortschaften im Land schmackhaft zu machen. In den Cruise-Metropolen Venedig und Dubrovnik werden die Anläufe durch Kreuzfahrtschiffe immer mehr begrenzt und in Barcelona und Berlin klopfen die Behörden privaten Vermietern von Ferienwohnungen immer mehr auf die Finger.

Was heißt das jedoch für reisehungrige Touristen? Sie haben die Wahl: Zum einen können sie weiterhin in die beliebtesten Städte reisen, müssen jedoch schon jetzt in der Regel höhere Hotelpreise in Kauf nehmen. Oder sie entsagen dem Reisen mehr und mehr, wie es jetzt eine wachsende Bewegung in Schweden tut – wie ich persönlich finde, die schlechteste Option. Oder aber sie entdecken neue Ziele, die vielleicht nicht so oft auf jedermanns Wish List stehen.

Das können zum einen Städte Osteuropas wie Bukarest, Sofia, Kiew oder Warschau sein. Die sind nicht nur weniger überlaufen, sondern punkten mit einem überaus guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Das können aber auch eher außergewöhnliche Stadtviertel großer Metropolen sein. Während In-Viertel wie Soho in London praktisch Tag und Nacht überlaufen sind, bewegt sich

kaum ein Tourist auf die südliche Seite der Themse. Dabei haben Gegenden wie das aufstrebende Brixton und das Nachbarviertel Clapham so einiges zu bieten – darunter tolle Restaurants sowie authentische Märkte und eine spannende Street Food-Szene.

Auch bei den Saison-Zeiten ist noch Luft nach oben. Während Paris zum Beispiel insbesondere im Frühling und Herbst aus allen Nähten platzt, ist die Metropole im August aufgrund der Ferien so gut wie leer gefegt. Das hat zwar zur Folge, dass einige Restaurants in der Sommerpause sind und schließen, auf der anderen Seite sind die U-Bahnen leer und man hat die Parks und Boulevards praktisch für sich allein. Auch die Bewohner Roms und Madrids flüchten gerne im Hochsommer Richtung Strand. Wen die Hitze in der ewigen Stadt und in der spanischen Hauptstadt nicht stört, der kann es sich auch hier also überaus gut gehen lassen.

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